Kurz nach fünf, Laptop zu, wer um 7.30 Uhr angefangen und kaum Pause gemacht hat, darf auch pünktlich aufhören.

Bin so dermaßen diszipliniert! Ich sollte mir selbst einen Orden verleihen.

Los geht’s mit der weiteren Abendgestaltung: Sport. Sport! Sport. Sport. DU. MACHST. JETZT. SPORT. Aber sowas von! Denk’ an dieses geile Euphorie-Gefühl danach. Das willst Du wieder haben!

Warum habe ich plötzlich so schlechte Laune?

Ach. Es ist doch so verdammt heiß heute, selbst um 18:15 Uhr noch. Und Jörg Kachelmann hat getwittert, wir sollen gefälligst alle nicht so bescheuert sein und bei diesen Ozon-Werten laufen gehen. Oder so ähnlich.

Okay, Laufen ist schon mal gestrichen.

Auch, wenn meine Beine es dringend gebrauchen könnten. Sie schreien quasi danach. Ich kann die Krampfadern schon fast wachsen hören. Und dabei arbeite ich schon dauernd im Stehen, mit dem Laptop auf der Theke, aber das reicht nicht.

Also brauche ich ein Ausweichprogramm.

Mein App-Trainer (so ein amerikanischer Drill-Instructor-Mega-Muscle-Man) ruft. Das tut er genau genommen schon seit über drei Jahren, und er muss schon ganz schön heiser sein, weil ich seinen Rufen so selten folgte. Jedenfalls nicht oft genug, um wirklich gute Ergebnisse zu erzielen. Dabei liebe ich dieses Workout.

Okay, Drill-Instructor. Ich ziehe mich schon mal um.

Ach so, brauche ich ja gar nicht. Sitze hier ja schon in der Jogginghose.

Obenrum schick, untenrum Jogginghose. In Jogginghose schreibe ich die besten Artikel. Ist statistisch erwiesen.

Homeoffice bringt solch modische Stilblüten hervor. Wenn man am Tag Videochats hatte, jedenfalls.

Hatte ich heute gar nicht.

Ziehe mich schon aus lauter Gewohnheit so an.

Ach, ich hab ja die neue GRAZIA noch gar nicht gelesen, die lacht mich gerade so an.

Könnte ich mir natürlich als Belohnung für nach dem Sport vornehmen.

Oder jetzt. Ich meine, es ist eh noch so heiß.

Das Heft ist voller Sport! Kim Kardashian macht jeden Morgen nach dem Aufstehen zwei Stunden Gymnastik, die Kolumnistin schwärmt von ihrem neuen Yoga-Dress, und die ganze Zeitung schreit: Beweg Dich, Du faules Stück! Ich meine, was soll das?! Ich dachte, ich hätte ein Klatschmagazin gekauft?

Okay, Bluse gegen T-Shirt getauscht. Erster, wichtiger Schritt Richtung SPORT ist getan. Laune sinkt.

Telefon klingelt. Gott sei Dank!

Mama braucht DRINGEND Lebensmittel. Heute noch. Ja, es ist 18 Uhr. Da werden doch wohl in “diesem Hamburg” noch Supermärkte geöffnet haben?

Was sie denn so dringend brauche, wage ich zu fragen.

KRABBEN! Mindestens 3 Packungen!

Die Frage, ob sie schwanger sein könnte, erübrigt sich.

Und die Frage, warum es sofort sein muss, ebenso.

Und die Frage, weshalb sie nicht eher Bescheid und vorausgeplant hat, auch. (Wer bei Mission MamaPapa mitgelesen hat, weiß das)

Okay. Tut mir leid, Drill-Instructor, es ist höhere Gewalt. Muss ich wohl einkaufen gehen. Sowas Blödes aber auch.

Aber das kann doch T machen! schlägt Mama vor.

Ach so. Ja, das stimmt natürlich.

Mist.

Okay, ich bin sowas von motiviert, jetzt, mit dieser neu gewonnenen, zeitlichen Freiheit die App zu starten.

Wo ist mein Handy eigentlich?

Ach, wie blöd, Akku alle.

Tja. Die nächste Steckdose liegt so ungünstig, dass ich während des Trainings nicht aufs Display und auf die Videos gucken kann.

Wer braucht schon die Videos. Das kann ich doch sowieso alles auswendig.

Okay, Handy angeschlossen, jetzt aber.

Los geht’s.

Jetzt aber wirklich.

Ach, Mensch, ich wollte doch noch BLOGGEN!

Der Rest ist Geschichte.

 

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