Facebook hört mit und spült hinterher Werbeanzeigen in die Timeline, die zum Gesprächsinhalt passen. Das ist bekannt, wenn auch umstritten, und Facebook selbst streitet es natürlich auch ab. Ich hatte davon auch schon gehört, es aber weitestgehend ignoriert. Wenn man ohnehin schon die Rechte seiner verschickten Bilder an WhatsApp verkauft und Google ständig nach dem Weg fragt, stumpft man irgendwann ab in Sachen Datensicherheit. Bis zu einem gewissen Grad. Außerdem passiert MIR sowas nicht. Das passiert doch nur anderen.

Doch neulich ging Facebook zu weit.

Wir spielten Schwedenschach. Das macht man draußen, und meistens auf Gras. Ich wollte gerade zum Wurf des Holzes ansetzen, da sah ich etwas vor meinen Zehen entlang krabbeln, und statt den Wurf zu vollenden, sprang ich etwa drei Meter hoch. Eine Spinne! Ich hasse Spinnen. Es gibt wenig, was ich ekelhafter finde als Spinnen. Drei kotzende Menschen in einer überfüllten Hamburger U-Bahn? Kein Problem für mich, solange da keine Spinne drauf sitzt, bin ich da unempfindlich. Aber bei Spinnen hört der Spaß auf. Ich sprang also so vor mich hin, kreischte und schrie, wie man das als Arachnophobikerin eben so macht. Lautstark. Wie ekelhaft diese langbeinigen Viecher doch seien, rief ich, und die Welt wäre eine bessere ohne Spinnen. Oder so ähnlich. Ich neige manchmal zur Theatralik. Die Spinne krabbelte von dannen, und nach höchstens dreißig Minuten hatte ich mich wieder beruhigt, Schwedenschach ging weiter.

Abends hatte ich den kleinen Zwischenfall eigentlich schon wieder vergessen. Aber dann schaute ich auf mein Handy, checkte Facebook und bekam eine Werbeanzeige für einen Spinnenfänger eingeblendet. Das ist so ein Ding mit Teleskoparm und einem Greifer am unteren Ende, den man vom Griff aus öffnen und schließen kann. Angeblich eine große Hilfe für Menschen wie mich. So ein Unsinn. Für Menschen wie mich war der Teleskoparm viel zu kurz, er müsste mindestens drei Meter länger sein, wenn ich das Gerät anfassen soll, in dem Wissen, es hängt irgendwo unten eine Spinne dran. Das können nur Nicht-Arachnophobiker entwickelt haben, und die Kommentare unter der Werbung gaben mir Recht. Während ich mich noch über die aus meiner Sicht vollkommen unnütze Erfindung aufregte, wurde mir plötzlich klar…

Facebook hört wirklich mit?! What?

Ich hatte niemals nach Spinnenfanghilfsgeräten gegoogelt, ich hätte nicht mal gewusst, welches Stichwort ich dazu hätte eingeben müssen, um fündig zu werden. Es gab keine Unterhaltungen in Chats bei Whatsapp und Co, aus denen sich schließen ließe, dass ich Spinnen hasste. Ich war mir sicher, bisher nirgends im Netz im Hinblick auf dieses Thema Spuren hinterlassen zu haben. Aber während meiner Sprungeinlage, das wusste ich, hatte sich mein Handy in meiner Hosentasche befunden.

Natürlich werde ich abgehört. Natürlich werden WIR das.

Nach dem Spinnenvorfall entschloss ich mich zu einem kleinen Lackmustest. Es ließ sich ja ganz leicht manipulieren. Ich überlegte mir einen weiteren, möglichst abwegigen Gegenstand, nach dem ich definitiv noch nie gegoogelt hatte und begann, mich mehrmals am Tag deutlich artikuliert über Heizdecken zu unterhalten. Doch zunächst geschah nichts. Aber ich verlor mein Ziel nicht aus den Augen und streute das Wort “Heizdecke” und die Tatsache, wie gerne ich doch eine kaufen würde, mehrmals täglich in meine Konversationen ein. In der Apotheke schauten sie etwas kariert, und gerade dort hatte ich gedacht auf willige Gesprächspartner zu treffen, aber die Unterhaltung gestaltete sich stockend. Doch siehe da: Am dritten Tage war es soweit, Facebook zeigte Werbung für irgendeinen Seniorenshop an, der Heizdecken zufällig gerade im Angebot hatte.

Soso.

Und dann wurde es noch skurriler: Mutti brauchte eine neue Brille, weshalb wir uns zu einem bekannten Optiker begaben. Im Beratungsgespräch riet uns der Verkäufer von einer Gleitsichtbrille ab und sagte, eine separate Lesebrille und eine Brille für die Ferne seien besser. Nicht mal eine Stunde nach dem Besuch spülte mir Facebook Werbung für eine tolle, neue Gleitsichtbrille in die Timeline. Okay, dank Standortfreigabe hatten sie vermutlich erkannt, dass ich mich beim Optiker befand. Aber dort gab es mehr zu kaufen als nur Gleitsichtbrillen. Ich hätte ja schließlich auch nach Kontaktlinsen fragen können. Habe ich aber nicht.

Ich habe schon häufiger gehört, dass Google, Facebook und Co. mithören. Facebook hat dies bislang aber dementiert. Stimmt das? Wer hört sonst mit? Hört Google mit und spielt die Werbung über Facebook ein? Gibt es da überhaupt Kooperationen? Wie steht Google zum Abhören? Ich möchte das wissen.  Deshalb wird eine meiner nächsten Fragen unter der Blogkategorie “Wer nicht fragt, wird nichts gewahr” sein: Wie weit gehen Google und Co. tatsächlich in Sachen Abhörwerbung, und WIE ZUR HÖLLE kann ich das unterbinden? Da ich ohnehin gern einen “Digital Detox” durchführen möchte, ist das natürlich ein spannendes Thema zum Einstieg. Bringt es überhaupt etwas, die Zugriffe aufs Mikrofon zu beschränken, oder ist das einfach nur niedlich naiv? Ich werde mich in die Materie einlesen und versuchen, herauszufinden, welchen Einfluss ich noch auf all diese Dinge habe. Mehr dazu demnächst an dieser Stelle.

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