Vor dreieinhalb Jahren sagte Mark zum ersten Mal zu mir: “We’re goin to spend the next few minutes gettin’ you ready for the workout.” und erklärte mir, warum ein gutes Warm-up so wichtig für ein effizientes Training ist. Ich lächelte ihn selig an, und es hätte alles so schön werden können mit uns und “You Are Your Own Gym” (YAYOG). (Und vermutlich muss ich das jetzt auch noch als Werbung kennzeichnen, weil ich ihn und seine App nenne. Also gut: Unbezahlte Werbung. Ende.)

Wurde es aber leider nicht.

Es begann zwar alles ganz gut, wie der damalige Blogeintrag von 2015 zeigt. Ich war hoch motiviert, das Programm durchzuhalten, und was soll ich sagen, die ersten vierzig Tage waren durchwachsen, aber okay. Und mit ein wenig Stolz kann ich heute zurückblicken: Ich trainiere seitdem kontinuierlich. In guten Wochen 2-3 Mal, immerhin, in schlechten auch mal gar nicht, aber ich habe dennoch ein gewisses Trainingslevel erreicht.

Wozu dann jammern?

Weil es ein ewiger Kampf ist mit ihm und mir. Wie Beziehungen eben so sind. Was ich nicht einkalkuliert habe: Ich werde ja älter, und das habe ich damals beim Start schon bemerkt, aber das hört auch irgendwie nicht auf. Nie lag ich stärker im Clinch mit meinem eigenen Körper als heute. Jetzt bin ich nicht mehr 35, sondern Ende 30, und mein Körper knackt und schmerzt noch mehr denn je an Stellen, an denen ich es nicht für möglich gehalten hätte. Das ist nicht wirklich besser geworden, auch, wenn ich deutlich fitter bin. Und was auch immer schlimmer wird: Immer, wenn ich mit dem Training beginnen möchte, will sich der Rest von mir lieber in einen Schaukelstuhl setzen und nickern. Ganz ehrlich? Ich hasse Crunches, Russian Twists, und geht mir bloß weg mit Let Me Ins und Seated Dips! Von Swimmers bekomme ich (immer noch) Muskelkrämpfe, aus den Squats komme ich, wenn ich versehentlich zu tief runter gehe, inzwischen kaum noch hoch, und bei One-Legged Romanian Deadlifts (what?) verliere ich heute noch regelmäßig das Gleichgewicht und bin bestimmt schon zig Mal mit der Stirn nach vorne umgekippt. Wenn ich mal wieder Push-Ups wage, kann ich am darauffolgenden Tag die rechte Schulter nicht mehr bewegen. Außer zu altern, mache ich aber auch genügend andere, dumme Fehler beim Training. Zum Beispiel war es so eine mittelprächtig gute Idee, Hyperextensions direkt unter einem kühlenden Ventilator zu machen, was mit schmerzenden Muskeln und einem blockierten Atlaswirbel belohnt wurde, sodass ich anschließend beim Autofahren immer den ganzen Oberkörper zum Schulterblick drehen musste, weil sich mein Kopf nicht mehr drehen ließ. Wobei man sich auch so gar nicht blöd vorkommt. Das alles trägt nicht gerade zu meiner Motivation bei, und so ist es kein Wunder, dass ich mit den Jahren Meisterin im Erfinden neuer Prokrastinations-Methoden geworden bin. Dagegen hilft eigentlich nur eins:

Netflix and Drill.

Wenn ich das Training mit Serien verknüpfe, dann geht’s. Trick 17 gegen mich selbst: Bingewatching erlaube ich mir selbst nur noch, wenn ich mindestens eine Folge lang (meist 45 Minuten) trainiere. Auf diese Weise habe ich in den letzten Tagen zu “The Fall” spielend einige Trainingsrunden geschafft, wovon ich übrigens Staffel eins und zwei uneingeschränkt empfehlen kann. In Staffel drei fällt der Spannungsbogen aber leider ab, weil die Serienmörder-Serie plötzlich zu einem “Emergency-Room”-Abklatsch mutiert, aber das nur nebenbei. Die Trainingszeit vergeht dabei erstaunlich schnell. Und nach der ersten Folge sage ich dann immer zu Mark: “And now, darling, we’re going to spend the next few minutes on the couch.”

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