Mit 35 bin ich ja nun nicht mehr die Jüngste. Ich muss es einsehen. Mit den zwanzigjährigen Beachbabes in Scharbeutz kann ich nicht mehr mithalten. 35 ist nur noch ganz knapp unter 40, und 40 ist alt. Folgerichtig bin ich also knapp unter alt.

Mein Körper sagt was anderes: Du bist es jetzt schon. Ganz ehrlich, schau’ Dich doch mal an. Du bist nicht nur alt, Du bist ein Wrack. Du hast nicht mal ansatzweise sowas wie Kondition, Dir tut ständig alles weh, Du kriegst Muskelkater vom Treppen laufen, Dein Rücken schmerzt, die Gelenke knacken. Und irgendwo zwischen meiner Schulter und dem Brustkorb muss ein Nerv eingeklemmt sein, der mir beim Autofahren immer sehr, sehr viel Freude in Form einer veritablen Muskelverspannung bereitet.

Neulich habe ich mir das Knie verknackst und kam humpelnd zur Arbeit.

Wie gerne hätte ich den Kollegen gegenüber behauptet, meine körperliche Unpässlichkeit wäre Resultat eines Sportunfalls gewesen. Aber die bittere Wahrheit lautete: Ich hatte mich am Wochenende 15 Minuten lang hingekniet, um im Zimmer meiner Tochter aufzuräumen, und beim Hochkommen hat es geknallt. Aber hallo. Danach tat mir eine ganze Woche lang noch der Meniskus weh, ich konnte keine Treppen laufen und ließ mich tapen. Nachdem ich mich sieben Tage lang wie eine uralte Frau gefühlt und bewegt habe, hatte ich genug.

Das kann es doch nicht gewesen sein. Soll das jetzt die nächsten Jahre so weitergehen?

Und wie zur Hölle sollte das enden? Wollte ich mit 60 am Stock gehen, nur, weil ich mich mit 35 zu wenig bewegt hatte? Die Lösung war doch so einfach. Arsch hoch kriegen und was dagegen tun. Aber was, wenn man so wenig Zeit hat wie ich? Wie hält man sich fit, wenn man fast täglich zwischen zwei Städten hin und her pendelt, stundenlang im Auto sitzt und 40 Stunden Vollzeit arbeitet? Fitnessstudios hasse ich. Zweijährige Mitgliedsverträge und affektierte Stepperinnen konnten mir schon immer gestohlen bleiben. Online-Studios hatte ich noch nie ausprobiert, aber auch hier gibt es wohl einen Monatsbeitrag zu entrichten. Und wer weiß denn schon, wie oft ich dazu kommen werde? Genau wie alle anderen neige ich dazu, mich dem inneren Schweinehund zu ergeben. Eine Tasche zu packen, mich aufzuraffen – das kostet Zeit und Nerven. Hab’ ich beides nicht. Ich brauche also etwas, das ständig verfügbar ist une keine Ausreden zulässt. Ich habe es gefunden!

Es heißt Mark Lauren und ist ein ehemaliger Drillinstructor.

Auf irgendwelchen Umwegen bin ich schließlich zur App “You are your own gym” gekommen. Sie basiert auf dem gleichnamigen Buch von Mark Lauren, der “Bible of bodyweight exercises”. Kein Fitnessstudio, keine Monatsbeiträge. Die App kostet 3 Euro, ich kann sie auf einem Tab installieren, sie kommt mit einem 44-Tage-Programm für Anfänger um die Ecke und gibt mir Tag für Tag vor, was ich zu tun habe. Täglich zirka 25 Minuten Training bei 2 Tagen Trainingspause die Woche. Da sind richtig harte Übungen dabei. Drillinstructor-mäßg eben. Nichts für Mädchen. Also genau das Richtige für mich.

Ich bin bei Tag 2: Scheiße, ist das anstrengend.

Der Typ macht mich fertig. Nach dem ersten Tag hatte ich derart heftig Muskelkater, dass ich am zweiten nicht wusste, wie ich weitermachen sollte. Aber ich biss die Zähne zusammen und siehe da: während der Übungen war der Muskelkater kaum noch zu spüren. Ein Wunder! Bisher muss ich sagen, Projekt Bikinifigur 2015 startet gar nicht so schlecht. Gar so vergreist scheine ich doch noch nicht zu sein. Trotzdem – 44 Tage sind eine verdammt lange Zeit. Ich werde ab sofort hier von den Fortschritten berichten, wir wollen doch mal sehen, wie weit ich komme.

Woche 1: