Wenn die Gelenke bei jeder noch so kleinsten Bewegung knacken und schreien: “Du wirst dieses Jahr 40, also beweg Dich, Du faules Stück!”…wenn man aus dem Stand nicht mal mehr die eigenen Knöchel erreicht…und wenn man im Auto keinen Schulterblick mehr machen kann, ohne einen Nackenkrampf zu bekommen – dann ist es eventuell an der Zeit, einzusehen, dass man bisher falsch trainiert hat und dass man das Thema “Fitness” möglicherweise etwas höher priorisieren sollte.

Ich habe mir eine App besorgt, um mein Fitness Level zu bestimmen.

Neulich habe ich ja meine 6 Ziele zur Selbstoptimierung aufgeschrieben, ohne sie zu priorisieren. Damit wollte ich warten, bis ich dank Zeit-Tagebuch weiß, womit ich mich tagein, tagaus beschäftige und welche Timeslots ich künftig vielleicht sinnvoller nutzen kann, als ich es aktuell tue. So weit, so gut. Da ich gerade erst dabei bin, das Zeit-Tagebuch aufzusetzen, habe ich also noch keinen exakten Plan, welches Ziel ich wann umsetzen will. Eins weiß ich aber bereits, nämlich, welches Ziel ich zuerst angehen muss: Mein Fitness Level. Das ist nämlich unterirdisch, und das habe ich dank meiner neuen Fitness-App jetzt sogar schriftlich.

Das niederschmetternde Ergebnis zu meinem Fitness Level: Ich habe keins.

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich diese neue Fitness-App wirklich brauche, oder ob das wieder so eine “Jetzt mache ich es aber wirklich, wirklich – ich brauche nur eine neue Inspiration”-Geschichte wird und wieder im Selbstbetrug endet. Ja, kann sein. Das wäre ja nicht so ganz untypisch für mich. Diesmal habe ich das mit der App aber nicht innerhalb von zwei Sekunden entschieden, sondern mir immerhin einen Tag lang eingehend Gedanken darüber gemacht, wie es mit diesem Thema weitergehen soll, was genau ich tun möchte. Dabei stand für mich von Beginn an fest, wie ich trainieren möchte: zu Hause per App.

Ich habe nämlich schon genügend Fitnessstudios subventioniert.

Ich dürfte gar nicht zusammen rechnen, wie viele Fitnessstudio-Beiträge ich in den letzten Jahren bezahlt habe, ohne hinzugehen. Deshalb muss ich mir auch nicht zum x-ten Mal einreden, dass es bei der nächsten Mitgliedschaft aber ganz, ganz sicher ganz anders werden würde. Es reicht fortan, wenn ich Apps subventioniere, die ich dann nicht benutze. Finanziell gesehen ist das ein großer Fortschritt! Und ich trainiere einfach sehr viel lieber zu Hause, weil ich bestimmen kann, wann ich trainiere, ich kann einfach loslegen und muss mich auch nicht darum scheren, wie ich dabei aussehe.

Auf diese Weise kann ich mein Fitness Level auch in der Schluppenbuxe optimieren, ohne dass es peinlich wäre.

Ich wäre ja aber auch nicht die ungekrönte Königin des Selbstbetrugs, wenn ich in den vergangenen Jahren nicht ohne Ende Geld in schicke Trainingsklamotten investiert hätte. Deshalb könnte die Schluppenbuxe theoretisch wochenlang im Schrank bleiben. Denn mein Sportkleidungsbestand macht mich zur wohl bestgekleidetsten Fitness-App-Benutzerinnen, seit motivierte Selbstbetrügerinnen wie ich sich lieber top gestylt aufs Sofa fallen lassen, statt davor rumzuturnen.

Das ist nur ein kleiner Teil meiner Fitness-Klamotten-Sammlung, den ich hier zwecks Foto aufs Bett geschmissen habe. Ich hab’s nicht so mit dem Instagram-gerechtem Drapieren.

Dass ich aber in der Schluppenbuxe trainieren könnte, wenn ich wollte, beruhigt mich ungemein. Mich fürs Training schick zu machen, gibt mir trotzdem ein besseres Gefühl. Vor allem im Hinblick auf meine neue, virtuelle Trainerin, die 15 Jahre jünger ist als ich und immer perfekt aussieht. Richtig gelesen, Trainerin. Denn ich sage:

Good bye, Mark Lauren. Mein Fitness Level lasse ich ab sofort von Sofia Thiel optimieren.

(Unbezahlte Werbung weil Markennennungen) Ich werde Mark Lauren und YAYOG untreu. Okay, Mark, Du bist ein cooler Typ und warst mit Sicherheit mal ein toller Drill Instructor. Aber weißt Du, unsere Beziehung ist ein wenig in die Jahre gekommen. Wie das so ist, mit alten Ehepaaren, irgendwann kennt man sich in- und auswendig, und so richtig funktioniert hat das mit uns beiden ohnehin nie. Ich hätte mir zum Beispiel etwas mehr Unterstützung von Dir gewünscht in Sachen Liegestütze: Ich schaffe immer noch keine drei Liegestütze am Stück, und das ärgert mich massiv. Ich hätte das ein oder andere Mal einen guten Tipp von Dir gebrauchen können, wie ich die Übung variieren und meine Fähigkeit nach und nach ausbauen kann. Weißt Du, Sofia hat mir das direkt in der ersten Einheit sehr gut verständlich erklärt, und damit hatte sie mich direkt im Sack. Ich fühle mich von ihr einfach besser verstanden, und das liegt vielleicht daran, dass sie die Trainingsziele und -fragen von Frauen besser kennt. Außerdem gibt sie mir gute Rezepte und Ernährungstipps mit auf den Weg, und damit kannst Du auch nicht mithalten. Also ich hoffe, Du bist mir nicht böse – aber ich mache Schluss.

Allerdings ist das Gras auf der anderen Seite auch gar nicht so viel grüner.

Denn Sofias Programm (gibt’s bei Gymondo (unbezahlte Werbung weil Markennennung)) gibt mir auch direkt erst mal ein paar unangenehme Wahrheiten mit auf den Weg. In dieser App kann man direkt zu Beginn und auch zwischendurch immer wieder in vier Bereichen sein Fitness Level durch jeweils eine einfache Übung testen. Das sind die Bereiche:

  • Cardio
  • Kraft
  • Core
  • Beweglichkeit

In Sachen Cardio bin ich noch ganz okay, mein Ruhepuls kann sich sehen lassen. Aber Kraft, Core und Beweglichkeit sind schlecht. Insgesamt hat mich die App als “Einsteiger” eingestuft, und das nach so vielen Jahren Training. Die App ist aber zu nett, um mir die Wahrheit so richtig fies ins Gesicht zu sagen. Sie schreibt dazu so freundliche Dinge wie:

Du bist ein Einsteiger. Mit regelmäßigem Training wirst Du Dich sehr schnell verbessern! Starte jetzt in ein fitteres Leben!

Obwohl sie eigentlich meint:

Ganz ehrlich, Du bist unterirdisch. Wärst Du ein Pferd, müsste man Dich erschießen.

Aber es ist ja auch nett von der App, dass sie sich stattdessen so diplomatisch ausdrückt, um mir nicht noch das letzte Quentchen Motivation zu nehmen.

12 Wochen Qual, um mein Fitness Level zu erhöhen: Ob sich das lohnt?

Mir stehen jetzt drei lustige Monate bevor, in denen mich die App ans Training erinnert, wenn ich es mal “vergesse”, und in denen ich mir von Sofia anhören kann, wie toll ich das alles mache, obwohl ich gerade beim Liegestütz mit der Stirn auf den Boden geknallt bin und nun bittere Tränen weine, weil mir alles weh tut. Aber ich will es so. Wenn ich das durchziehe und tatsächlich dienstags, donnerstags und sonntags trainiere, bin ich am 04.07.2019 fertig. Mein Ziel ist es, beweglicher zu werden, weniger Rückenschmerzen zu haben, ein paar Muskeln dürfen gern dazu kommen, und ich will mich einfach besser fühlen. Nebenbei werde ich die Rezepte ausprobieren, die in der App enthalten sind und mal sehen, welche positiven Auswirkungen das alles auf mein Wohlbefinden hat. Und vielleicht hieve ich mein Fitness Level ja sogar von “totes Pferd” auf “Shetland-Pony”. Hüa.


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