Vorwärts stolpern mit System, Schritt 1: Die Zeitanalyse. Oder: Womit genau verbringe ich eigentlich meine Tage? Ich habe mir neulich vorgenommen, das herauszufinden, indem ich in den kommenden 14 so eine Art Zeittagebuch führe. Morgen fange ich an.

Einen Zeitfresser kenne ich aber jetzt schon, und der passt mir gar nicht.

Und das ist mein Smartphone. Ich habe im vergangenen Monat eine Analyse-App mit dem schönen Namen “Menthal” (Werbung weil Markennennung) laufen lassen, und die hat Schockierendes zutage befördert. Ob ich es nun will oder nicht – sie zeigt mir ganz genau, wie viele Stunden ich am Tag aufs Handy schaue, und mit welchen Apps ich mich dabei vorwiegend beschäftige.

Die Handysucht App lügt nicht.

Ich habe vorher mal versucht, die Zeit mal selbst realistisch einzuschätzen. Und ich dachte, na ja, vielleicht eine Stunde am Stück, maximal anderthalb. Wenn überhaupt. Denn ich starre ja nicht unentwegt drauf. Oh doch. Und wie ich das tue.

Ja, ich bin smartphonesüchtig.

Ich verbringe im Schnitt 5-6 Stunden täglich vor dem Handy. An guten Tagen waren es mal dreieinhalb. Darunter bin ich nie gesunken. Und die meiste Zeit geht für WhatsApp (Werbung weil Markenennung) und für Social-Media-Gedöns drauf. Bäääämmmm! Guten Morgen, hallo wach. Hallo zusammen, mein Name ist Ilona, und ich verbringe ein Viertel meines Tages mit dem Smartphone. Und da hilft es auch nicht, dass Menthal auch die Display-Zeit mitloggt, in der ich im Auto das Google Navi nutze. Das Navi läuft natürlich, ohne, dass ich die ganze Zeit draufstarre. Aber ehrlich. Die 40 Minuten zwischen Hamburg und Lübeck, in denen die Navi-App läuft, machen den Braten auch nicht fett. Ich kann es drehen und wenden, wie ich will. Das Smartphone ist mein größter Zeitfeind.

Google – die Einstiegsdroge in Richtung Smartphonesucht.

Es ist nicht nur das WhatsApp-Piepen, das mich dauernd zum Handy greifen lässt. Ich verspüre auch ständig den Drang, alles zu googeln, was ich nicht aus dem Stegreif weiß. Allein gestern: Wann wurde das Eidersperrwerk in St. Peter Ording erbaut? Gleich mal googeln. Was zur Hölle sind Eiergrog-Kurse, die in Wenningstedt beworben wurden? Google fragen. Wie viele tausend Windräder stehen eigentlich in Dithmarschen? Google weiß das sicher.

Ich bin kurz davor, die Handysucht auf unkonventionelle Art ein für allemal zu beseitigen.

Am besten gründe ich direkt die ASS, die Anonymen Smartphone Süchtigen.

Wer sich anschließen will, schreibt mir einfach eine Message über Instagram, Twitter oder so. Oder nein, besser nicht. Schreibt mir bitte einen Brief, denn sonst muss ich eure Nachricht ja auch am Smartphone lesen. Ja, Briefe schreiben wird sowieso völlig unterschätzt. Ich nehme ab sofort nur noch postalische oder Faxnachrichten entgegen. Das ist die Lösung. Ohne WhatsApp reduziert sich meine tägliche Smartphone-Nutzung schon mal erheblich. Postkarten sind doch übrigens auch ein ganz famoses Kommunikationsmittel.

Und ja, ich stolpere regelmäßig über diese Handysucht.

Es ging ja neulich darum, warum ich es nie schaffe, Dinge zu Ende zu führen, und ich hege ja den Verdacht, dass ich über zu viele Dinge stolpere. Eins davon ist definitiv das Smartphone. Ich notiere also auf meiner neuen To-Do-Liste: “Handysucht besiegen”. Wenn ich weiter vorwärts stolpern möchte, muss das möglich sein. Ich habe noch keine Ahnung, wie, aber ich werde es schon herausfinden. Gleich mal googeln. Ach nein, geht ja nicht. Verdammt.

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