Kurz zusammengefasst läuft eine Minikreuzfahrt von Kiel nach Oslo folgendermaßen ab. Tag 1: Abfahrt 14 Uhr in Kiel, Fahrt über Nacht. Tag 2: morgens um 10 Uhr Einlauf in den Oslofjord, vier Stunden Aufenthalt in Oslo und um 14 Uhr wieder zurück. Tag 3: Ankunft 10 Uhr morgens in Kiel. Und was passiert dazwischen? Eine ganze Menge! Hier kommt ein Reisebericht über 44 Stunden Minikreuzfahrt Kiel Oslo, die es in sich hatten.

Als ich Mama (81) vor zwei Jahren von Düsseldorf zu uns nach Hamburg holte, hatten wir beide erstmal andere Prioritäten als das Reisen, wie ich in meinem Blog Mission MamaPapa beschreibe. Erstmal standen Augen-OPs, eine Menge Arztbesuche, neue Zahnprothesen und eine Menge Arztbesuche an. Doch zwischendurch erlaubten wir uns zu träumen: Wenn die Odyssee durch Hamburgs Arztpraxen überstanden wäre, wollten wir verreisen. Und Mama durfte bestimmen, womit und wohin. “Ich will auf Kreuzfahrt gehen!”, sagte sie sofort mit leuchtenden Augen. “Aber nichts Großes, Anstrengendes. Mit der Color Line von Kiel nach Oslo und mir dann das Osloer Schloss angucken, das wünsche ich mir.” Okay. Gesagt, getan.

Galerie: Mit der Fähre von Kiel nach Oslo

Minikreuzfahrt Kiel Oslo: Die Color Magic in Kiel
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Abfahrt in Kiel am Oslokai
Minikreuzfahrt Kiel Oslo: Kabine mit Meerblick
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Unsere Reisegruppe

Alleine auf Kreuzfahrt gehen, das würde für Mama nicht mehr funktionieren. All die Dinge, die es vor und während der Fahrt zu beachten und koordinieren gibt, würden sie heillos überfordern. Sie soll sich ja entspannen. Deshalb lassen wir sie natürlich nicht auf eigene Faust hinaus in die Weltgeschichte ziehen (das würde sie auch nicht wollen). Also hieß es: Mitreisende gesucht, und gefunden:

Minikreuzfahrt Kiel Oslo: Unsere Reisegruppe
Drei Viertel unserer Reisegruppe auf Achtern bei der Einfahrt in den Oslofjord.



Mutti (81): Noch nie auf Kreuzfahrt geschweige denn auf einer größeren Fähre gewesen, gehbehindert (erhebliche Gehbehindergung G) und mit Rollator unterwegs, entdeckt gerade ihre Reisefreude wieder und möchte in Oslo eigentlich nur eins: Das königliche Schloss sehen. Und mehr wird sie rein konditionell auch nicht schaffen, das war uns allen vorher klar.

L (10): War in diesen Sommerferien schon drei Wochen in Schweden und hatte eine Woche lang Reiterhof-Ferien zu Hause. Jetzt noch nach Norwegen. Ihr Motto: Man nimmt mit, was man in den Ferien kriegen kann. Ihr erklärtes Ziel: Shopping (meine Tochter!) und planschen im Aqualand an Bord (wer kann schon von sich behaupten, auf einem Schiff geschwommen zu sein!). Oslo kennt sie vom Hörensagen, stundenlang an Deck stehen und die Natur genießen ist aber nicht so ihr Fall.

T (39): Hat als Marinesoldat schon die halbe Welt auf der Gorch Fock umsegelt und an Bord in Hängematten übernachtet. Ihn kann wenig schocken. Er freut sich vor allem darauf, die Nase an Deck in den Wind zu halten und Zeit mit uns zu verbringen.

Ich (40): Wollte schon immer eine Kreuzfahrt machen, aber mein Portemonnaie, mein Respekt vor Weltreisen und mein schlechtes Gewissen der Umwelt gegenüber (und das leider auch in dieser Reihenfolge, zugegebenermaßen) haben mich bisher davon abgehalten. Ich freue mich total auf das kleine Abenteuer Minikreuzfahrt und kann das gerade noch so mit meinem Gewissen vereinbaren.

Unsere Erfahrung mit der Buchung bei Color Line

Von Beginn an haben wir geplant, für diese Reise zu viert zwei Kabinen zu buchen: Eine eigene, möglichst barrierefreie Kabine für Mama, die auch ab und zu mal ihre Ruhe (von uns) braucht, und eine zweite Kabine für T, L und mich. Mama zeigte sich in Sachen Komfort anspruchsvoll und rigoros: Eine Kabine mit Meerblick war das Mindeste für sie. T hingegen hätte in unserer Kabine gut und gerne auf den Meerblick verzichten können und wäre auch mit einer Innenkabine samt Blick auf die Shoppingpromenade zufrieden gewesen. Aber ich fand den Gedanken, keinen Horizont zu sehen, irgendwie unangenehm. Letztlich haben wir zwei 3-Sterne-Meerblick-Kabinen inklusive Halbpension gebucht, Tarifart Economy, und gelandet sind wir damit auf der Color Magic. So leicht, wie es sich nun anhört, war das mit der Buchung allerdings nicht. Und damit wären wir auch schon beim Thema Barrierefreiheit auf der Color Magic, für uns natürlich eine sehr wichtige Angelegenheit. Barrierefreiheit fängt für mich nicht erst auf dem Schiff an, sondern zum Beispiel auch schon bei der Tatsache, dass man “handicap-gerechte” Kabinen nicht online buchen kann (wie alle anderen). Wie es genau um die Barrierefreiheit auf der Color Magic bestellt war, darüber schreibe ich aber im Blog nebenan, weil das hier zu weit führen würde: Barrierefreiheit bei Color Line.

Tag 1: Abreise, Kiel

Da wir in Hamburg wohnen, hatten wir es nicht weit: Eineinhalb Stunden nach Kiel ohne Stau. Um 13:15 Uhr war Boarding Time, und ich muss sagen, dass das in Kiel im Großen und Ganzen echt entspannt ablief. Wenn man mit Boardkartencomputern gut klar kommt, geht das Ziehen der Karten mit der Buchungsnummer wirklich schnell. Das Color Line-Terminal fand ich zwar etwas spartanisch, aber man hält sich hier ja auch nicht lange auf. Und man hat durch die Glaswände hindurch schonmal einen schönen Blick auf Schiff:

Minikreuzfahrt Kiel Oslo: Die Color Magic in Kiel
Da ist der Pott!

Jetzt nur noch mit der Boardkarte durchs Boarding, dann über die lange Gangway aufs Schiff, und schon geht sie los, die wilde Fahrt! Der Rezeptionsbereich des Schiffs ist schon beeindruckend. Man landet nämlich nach dem Eintreten direkt auf der Promenade aka Shoppingmeile des Schiffs, und die kann sich schon sehen lassen:

Die Shopping- und Gastromeile der Color Magic

Jedenfalls stolperten alle Ankommenden erstmal staunend durcheinander, weil sich bei all dem Geglitzer kaum jemand aufs Weitergehen konzentrieren konnte. Uns ging es ähnlich, also ließen wir uns mit der Masse zu den gläsernen Fahrstühlen Richtung Kabinen treiben.Es hat schon was von Herdentrieb: Erst stellen alle ihre Koffer schnell in der Kabine ab, und dann geht’s aber auch direkt weiter zum nächsten Place-to-be: Das Sonnendeck, um die Ausfahrt aus Kiel nicht zu verpassen.

Der Place-to-be: Das Sonnendeck der Color Magic

Es gibt schlechtere Orte, an denen man einen Kaffee oder ein kühles Kaltgetränk bei 30 Grad im Schatten genießen kann. Kiel hat sich an diesem Tag mit Kaiserwetter von uns verabschiedet, das war sehr liebenswürdig von der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt. Früher habe ich den Kreuzfahrtschiffen in Travemünde und Kiel immer sehnsuchtsvoll hinterhergeschaut, nun stand ich selbst mal an Bord, das war schon ein schönes Gefühl. Das Achterndeck ist beeindruckend groß, und an den Seiten des Schiffes hat man hinter getöntem Glas einen etwas windgeschützteren Ausblick. Vor allem auf die Handtuchmentalität der deutschen Urlauber: Kaum hat das Schiff abgelegt, sind auch schon alle Sonnenliegen auf Deck besetzt. Zum Glück hat Mama mit ihrem Rollator immer einen mobilen Sitzplatz dabei; von so einer niedrigen Liege wäre sie ohnehin nie wieder hochgekommen. An einer kleinen Bar kann man sich Erfrischungsgetränke holen und diese an Deck genießen.

Das Sonnendeck beim Einlaufen in Oslo.

Unsere Kabine: 3 Sterne mit Meerblick

Von Muttis handicap-gerechter Kabine erzähle ich ja nebenan, hier zeige ich mal unsere 3-Sterne-Meerblick-Unterkunft auf Deck 8:

Anfangs waren wir etwas irritiert: Eine Couch, kein Bett. Doch simsalabim: Ein Bett versteckte sich in der Wand, und zwei weitere in der Decke. Dadurch schrumpfte der Platz in der Kabine auf ein Mindestmaß, das sich mit zwei Erwachsenen und einem Kind gerade noch so ertragen ließ. Wie hier vier Erwachsene inklusive Gepäck Platz finden sollen, ist mir schleierhaft. Doch für uns sollte es langen, für zwei Nächte war’s okay. Was ich mir nur gewünscht hätte: Einen kleinen Kleiderschrank. Wir haben zwei Tage aus Koffern gelebt. Geht natürlich auch mal, ist aber nicht so komfortabel. Außerdem hatten wir in unserer Kabinen ein Flat-TV, allerdings gibt es nur norwegische Programme und ARD und ZDF. Viel spannender fanden wir ohnehin den Kanal mit der Front Camera, der 24 Stunden lang Livebild sendet. Und der Kanal Color Map ist praktisch, wenn man die aktuelle Position des Schiffes sehen will. Ansonsten guckt natürlich auch niemand, der halbwegs bei Trost ist, lange fern auf so einem tollen Schiff. Es gab an Bord nämlich so viel zu entdecken!

Die Shoppingmeile an Bord

L und ich lieben es, uns unterwegs mit Mitbringseln einzudecken, deshalb waren wir von der Shoppingmeile an Bord natürlich begeistert. Es gab hier taxfree Parfüm- und Klamottenläden, Souvenirs und Cafés. Sogar einen Irish Pub habe ich hier gesehen. Der ein oder andere Bummel war also drin, und die Preise fand ich auch sehr akzeptabel. Ob sich die Cafés hier lohnen, kann ich leider nicht sagen, weil wir die nicht weiter getestet haben. Was ich aber super fand: Neben der Rezeption gab es einen kleinen Shop, der 24 Stunden lang geöffnet hat, und in dem man Zeitschriften, Wasser und kleinere Snacks erwerben konnte. Ein Stockwerk unter der Shoppingmeile befand sich außerdem ein großer Taxfree-Store mit vorwiegend Süßigkeiten, Zigaretten und Spirituosen. In Oslo wollten wir eigentlich auch ein bisschen durch die Läden bummeln, aber Fehlanzeige: Hier haben sonntags auch alle Läden zu. Das bin ich aus Schweden gar nicht gewöhnt, denn hier haben selbst in kleineren Städten sonntags die Läden bis 17 Uhr geöffnet.

Kinder willkommen: Spielzimmer und Co.

Kindern kann auf der Color Line eigentlich gar nicht langweilig werden. Zu allererst gibt’s das Aqualand, ein Schwimmbad an Bord, das aber immer nur von 14-18 Uhr geöffnet hat und eher auf Kinder als auf Erwachsene eingestellt ist. Da jeder Gast pro Tag nur eine Stunde lang schwimmen darf (damit alle mal drankommen), können sich hier allerdings mitunter lange Schlangen bilden. Außerdem haben wir ein Lego-Spiel-Zimmer für Kleinkinder entdeckt. Dann gab’s noch einen Kid’s Club, ein anhängliches Schiffsmaskottchen, Figur-Luftballons am Eingang, Kinderkino am Nachmittag, ach ja, und nicht zu vergessen der Daddel-Raum mit allerlei Videospielen:

Erstmal eine Runde daddeln…

Entertainment an Bord der Color Magic

Auf der Color Magic gibt es auch ein Konferenzzentrum, das abends in ein Kino umgewandelt wird. Gegen Eintritt kann man sich hier aktuelle Filme ansehen. Am früheren Nachmittag lief zum Beispiel der Kinderfilm “Dumbo”, abends aktuelle Actionstreifen. In der großen Show-Lounge wurde am frühen Abend ein Showprogramm dargeboten. Musical-Fans kamen hier voll auf ihre Kosten, für meine zarten Öhrchen war es eher anstrengend, zuzuhören. Wenn man Musicals mag, ist man bei diesem Dauer-Medley ganz gut aufgehoben. Vorausgesetzt, man ist auch bereit, die teuren Cocktails zu bezahlen, um nicht auf dem Trockenen zu sitzen. Hat ganz schön was gekostet, sich die Show schön zu trinken.

Das Showprogramm ging so…

Anschließend sind wir müde ins Bett gefallen, ganz glücklich von allen Eindrücken. Natürlich war ich die Letzte, die einschlafen konnte, weil ich einfach so aufgeregt war: Ich hatte seit meinem Segeltörn übers Ijsselmeer mit 16 nicht mehr auf einem Boot übernachtet und konnte gar nicht aufhören, hinaus aufs Meer zu starren. Und dieser Anblick faszinierte mich dann am nächsten Morgen natürlich umso mehr:

Minikreuzfahrt Kiel Oslo: Kabine mit Meerblick
Schööööön…

Tag 2: 4 Stunden Oslo-Aufenthalt

Das Frühstück im Grand Buffet

ach dem Aufstehen gab’s erstmal Frühstück im Grand Buffet, das man von 7 bis 9.30 Uhr einnehmen kann. Da wir Halbpension gebucht hatten, war es inklusive. Ich muss sagen, dass ich die Auswahl und die Qualität wirklich gut fand. L stand immer glücklich mit einem Teller Pancakes vor mir, es gab sehr viel Obst, Aufschnitt, Käse, Wurst, Rührei, Bacon, Marmeladen, Müsli – was das Herz begehrte. Was ich aber schade fand: Man konnte sich keinen Latte Macchiato bestellen. Dafür gab’s Kaffee satt aus dem Automaten, den ich aber nicht sonderlich lecker fand. Ohne ordentlich Milch war er eigentlich ungenießbar. Die Säfte ebenso: Aus dem Automaten, sehr konzentratig-zuckrig. Da könnte man definitiv noch nachbessern. Frische Säfte sollten doch nicht das Problem sein. Dafür gab es überall Karaffen mit stillem Wasser, sehr zur Freude meiner Tochter, die praktisch nichts anderes trinkt. All diese Buffet-Getränke waren inklusive. Die Brot- und Brötchenauswahl fand ich mehr als okay, es gab auch eine gute Auswahl dunkler Körnerbrötchen.

Der Landgang

Wir sind ja eine etwas spezielle Reisegruppe. Mutti hatte von Beginn an ein einziges Ziel ausgelobt: Das Schloss sehen. Von außen. Eine Innenbesichtigung war hingegen nicht gewünscht. Also haben wir das Schloss gesehen. Weiter wären wir mit ihr auch nicht gekommen, denn das Schloss liegt auf einem Hügel, und so war es recht anstrengend für sie, dort hochzukommen:

Man hätte sich natürlich auch noch viel mehr von Oslo ansehen können: Den Holmenkollen, die berühmte Skisprungschanze vorweg. Interessierte Mama aber nicht, und es war schließlich ihre Reise. Konditionell hat sie es gerade mal so zum Schloss hoch geschafft, bei 30 Grad im Schatten, und das mussten wir respektieren. Es hätte aber diverse Angebote für Stadtrundfahrten gegeben, die man schon auf der Color Magic an der Rezeption buchen konnte und die etwa 40 Euro pro Person gekostet hätten. Das finde ich jetzt nicht gerade wenig. L und ich haben beschlossen, Oslo nochmal zu besuchen, wenn alle Läden geöffnet haben. Bei dieser Reise stand weniger die norwegische Hauptstadt für uns im Fokus, sondern mehr die Schiffsreise an sich. Mama haben wir damit sehr glücklich gemacht, und das ist alles, was zählt.

Unser Tipp: Aqualand statt Sonnendeck

Zurück an Bord unseres Schiffes waren L und ich so clever, uns der Herde zu entziehen. Statt wie alle anderen wieder das Sonnendeck zu stürmen, um sich das Auslaufen aus Oslo anzusehen, packten wir flugs unsere Badesachen und gingen ins Aqualand. Und siehe da: Keine Schlange! Natürlich, weil ja alle oben waren. Wir durften sogar länger als eine Stunde drinbleiben (eigentlich ist die Nutzung pro Gast und Tag auf eine Stunde begrenzt, aber weil es so leer war, waren sie mit uns nachsichtig). Und so kam es, dass L und ich uns das Auslaufen gemütlich im Whirlpool liegend durch die großen Panoramascheiben ansahen und uns fragten, weshalb wir eigentlich die Einzigen waren, die auf diese geniale Idee gekommen sind. Anschließend sind wir noch ein paar Runden gerutscht. Die Rutschen hier sind wirklich nicht zu verachten, vor allem die große macht mächtig Spaß. Man sollte aber übrigens nicht im Bademantel übers Schiff laufen, um zum Aqualand zu gelangen, das wird nicht gern gesehen. Es gibt im Schwimmbad Umkleiden und Schließfächer, zu denen man automatisch am Eingang einen Schlüssel erhält. Kleingeld ist dafür also nicht notwendig. Außerdem gibt es hier auch kostenlos Handtücher dazu. Und man erhält pro Person einen Getränkegutschein, den man drinnen an der Poolbar einlösen kann. Allerdings gibt’s hier nur Zucker-Slushies und Softgetränke.

Das Abendessen im Grand Buffet

Wir hatten nicht nur Frühstück, sondern auch Abendessen inklusive. Beim Buchen muss man sich vorher auf eine Uhrzeit festlegen: 17 oder 20 Uhr. Wir haben uns für 17 Uhr entschieden. Wenn man um 14 Uhr wieder an Bord geht, dauert es ganz schön lange bis 20 Uhr, da kann einem schon der Magen in den Kniekehlen hängen. Vor allem Omas und Kinder werden dann ja gern quengelig. Wir haben diese Entscheidung nicht bereut. Die Auswahl am Buffet fand ich richtig, richtig gut: Viel frischer Fisch, Meerestiere, Braten, Aufläufe, Bulgur, aber auch kalte Kanapees, Käsesorten, Obst, eine reichhaltige Salatbar und ein eigenes Kinderbuffet. Hier gab’s natürlich die übliche Pommes-Chicken-Nuggets-Auswahl, aber damit sind viele Kinder nunmal satt und glücklich zu bekommen. Meine große Tochter kann man damit nicht mehr hinterm Ofen hervorlocken, Madame hat sich den Teller natürlich mit Fisch und Fleisch vollgehäuft. Die Getränke mussten wir extra bezahlen und kamen etwa auf 20 Euro pro Abendessen für vier Personen. Das Grand Buffet verfügt über eine reichhaltige Weinkarte und kann alle gängigen Getränkewünsche erfüllen. Die Kellner waren recht fix und zuvorkommend. Bezahlt haben wir hier stets mit Kreditkarte am Tisch.

Abendspektakel: Fantasy und Magic begegnen sich

Für den Abend hatten wir uns noch etwas Besonderes vorgenommen: Jeden Abend um 23.30 Uhr begegnen sich die Color Fantasy und die Color Magic auf halber Strecke zwischen Kiel und Oslo. Also haben wir uns an Deck begeben und auf das Schwesterschiff gewartet. Die Schiffe grüßen sich nicht, ist ja schon spät, und man will ja die bereits schlafenden Gäste nicht aus den Betten werfen. Aber es war schön zu sehen, wie die Fantasy so am Horizont auftauchte. Wem das abends zu kalt ist, der kann sich übrigens auch in die Observation Lounge setzen und einen Cocktail trinken. Durch die Milchglasscheiben kann man die herannahenden Pötte gut sehen und rechtzeitig nach draußen gehen. Mit diesem schönen Ausblick neigte sich unsere Fahrt so langsam dem Ende zu.

Tag 3: Zurück in Kiel

Typisch norddeutsches Wetter

Kiel empfing uns am nächsten Morgen mit einer dichten Nebelwand. Nachdem wir aber vorher bei Kaiserwetter ausgelaufen, nach Oslo eingelaufen und wieder ausgelaufen waren, konnten wir das verschmerzen. Endlich kein Sonnenbrand-Alarm mehr! Wenn man auf dieser Fahrt etwas wirklich dringend benötigt, dann ist es Sonnenmilch. Das Meer und das helle Deck reflektieren die Sonnenstrahlen massiv, und weil die ganze Zeit ein angenehmer Wind geht, bemerkt man die Strahlung gar nicht so stark. Wir sind fast alle mit roten Näschen zurückgekehrt.

Unser Fazit zur Fähre Kiel Oslo

Es war super! Wehmütig nahmen wir an diesem Morgen Abschied vom Schiff, denn wir alle hatten viel Spaß auf dieser Reise. Jeder ist auf seine Kosten gekommen: Mama hat ihr Schloss gesehen und andere Leute beobachtet (was sie am liebsten macht auf Reisen), L hatte eine Menge Action, T hat von uns allen die meiste Zeit an Deck verbracht und L die Seefahrt erklärt, und ich habe einfach nur den Blick schweifen lassen und mich erholt. Die Color Line bietet als Fähre wirklich eine ganze Menge. Eigentlich wird ihr der Begriff “Fähre” gar nicht richtig gerecht, denn sie gleicht sowohl von der Größe als auch von der Ausstattung her eher einem Kreuzfahrtschiff. Ganz besonders sieht man das, finde ich, im a-la-carte-Restaurant, das mich vom Ambiente her leicht an die Titanic erinnert (was man an Bord natürlich nicht laut aussprechen sollte!):

Leichtes Titanic-Flair am Heck des Schiffes

Wir waren am Ende alle ganz beseelt. 44 Stunden lang sind sehr viele Eindrücke auf uns eingeprasselt, die vor allem Mutti hinterher erstmal verarbeiten musste. Vor allem für sie war das eine sehr komfortable Art zu reisen, weil sie sich nicht groß anstrengen muss, um von einer Stadt in die nächste zu kommen, und weil sie immer ein Bett in der Nähe hat, wenn sie sich ausruhen möchte. Und wir anderen konnten sie auch getrost mal ein Mittagsschläfchen machen lassen, während wir durch die Gegend stromerten. Ich glaube, sie hat Gefallen daran gefunden, und das war vermutlich nicht unsere letzte Kreuzfahrt. Allerdings muss ich auch sagen: Nach ein paar Tagen hätte ich persönlich auch genug. Länger als vielleicht 5-6 Tage würde ich nicht mit dem Schiff verreisen wollen. Aber ein tolles Erlebnis war es allemal.

FAQs zur Minikreuzfahrt Kiel Oslo mit Color Line

Wie sind die Preise an Bord der Color Magic?

Höher. Man ist an Bord was das betrifft quasi schon in Norwegen. Wir hatten Halbpension mit Abendbuffet und Frühstück im “Grand Buffet”, dabei muss man die Getränke noch extra bezahlen, und da waren wir bei vier Personen pro Mahlzeit locker bei 20-30 Euro umgerechnet. Übrigens wird alles in norwegischen Kronen angegeben. In vielen Shops kann man trotzdem mit Euro bezahlen, erhält dann aber zum aktuellen Kurs norwegisches Wechselgeld.

Gibt es einen Supermarkt an Bord der Color Magic?

Ich würde es nicht direkt Supermarkt nennen, aber ja, auf Deck 6 gibt es hinten einen großen Tax Free Market, der allerlei Süßigkeiten, Snacks, Zigaretten und Spirituosen anbietet und dabei mit Einkaufswagen und Kassenband ein wenig Supermarkt-Charme versprüht. Hier bekommt man auch stilles Wasser.

Lohnt sich das Schwimmbad an Bord der Color Magic?

Ja, für Kinder. Das bringt es wohl ganz gut auf den Punkt. Erwachsene haben hier kaum Platz für ein paar ordentliche Schwimmzüge. Das Aqualand ist nur zum Planschen ganz nett. Es befindet sich oben hinten auf Deck 12 und besteht aus einem Rundlauf mit Antrieb, einer großen und einer kleinen Rutsche, zwei Whirlpools (in denen es echt heiß ist) und einem kleineren Babybecken. Jeder Gast darf pro Tag nur eine Stunde lang rein, damit alle mal die Gelegenheit haben, das Aqualand zu besuchen. Weil es dann auch nur von 14-18 Uhr täglich geöffnet hat, bilden sich mitunter lange Schlangen. Und Eintritt kostet es natürlich auch, ich meine, ich habe umgerechnet an die 15 Euro für meine Tochter und mich bezahlt. Tipp: Reingehen, wenn alle woanders sind. Wir haben uns beim Auslaufen aus Oslo zum Schwimmen begeben und waren fast die Einzigen. Weil das Aqualand über Panoramafenster verfügt, verpasst man nichts. Man kann sich aus dem Whirlpool heraus das Auslaufen anschauen, das war schon nicht sooo schlecht.

Wie kann man an Bord der Color Line bezahlen, bar oder mit Kreditkarte?

Barzahlung ist mit Euro und norwegischen Kronen möglich, aber das Zahlen mit Kreditkarte wird, soweit ich das mitbekommen habe, lieber gesehen. Die Skandinavier sind nicht so für Bargeld zu haben. Schweden will es m.E. ganz abschaffen demnächst. Es gibt an Bord aber auch einen Bargeldautomaten, und zwar passenderweise direkt neben dem Casino auf Deck 6 vorne. Ein Schelm, wer Böses…

Lohnt sich Halbpension mit Buffet im “Grand Buffet” auf der Color Magic?

Wir fanden: Ja. Die Auswahl am Buffet ist super. Sehr viel Meeresfrüchte, frischer Fisch, aber auch eine gute Auswahl an schmackhaften Standardgerichten. Auch für Vegetarier war meines Erachtens einiges dabei. Viel Obst, Gemüse, reichhaltige Salatbar und nicht zu vergessen: ein eigenes Kinderbuffet mit kinderfreundlichen Gerichten. Dazu ein opulentes Nachspeisenbuffet. Jeder von uns ist öfter zum Buffet gelaufen. Obwohl es dort manchmal sehr wuselig zuging, fand ich die Atmosphäre beim Abendessen hier sehr angenehm. Ich denke mal, das lag daran, dass man sich unterschiedliche Essenszeiten im Vorwege aussuchen konnten. Wir sind bereits um 17 Uhr essen gegangen, und das kann ich nur empfehlen. Mit Kind und Oma dauert es bis 20 Uhr viel zu lange. Außerdem möchte man sich ja vielleicht das Showprogramm am frühen Abend ansehen.

Gibt es auf der Color Line genügend Handtücher?

Auf jeden Fall. Handtücher muss niemand mitnehmen. Sowohl in den Kabinen als auch im Aqualand waren genügend Handtücher vorhanden.Die Kabinenhandtücher kann man täglich austauschen lassen, was man natürlich der Umwelt zuliebe nicht tun sollte.

Kann man die Kabinenfenster an Bord öffnen?

In den 3-Sterne-Kabinen ging es nicht. Ich vermute mal, dass das nur bei den Balkonkabinen möglich ist. In den 3-Sterne-Kabinen gibt es nur Bullaugen, die sich öffnen lassen. Jede Kabine verfügt über eine Klimaanlage, die sich zwar nicht abstellen, aber gut regulieren lässt. Ich bin sehr empfindlich, was Klimaanlagen betrifft, muss aber sagen, dass ich die Klimaanlage in der Kabine sehr angenehm fand. Das gesamte Schiff ist klimatisiert, was bei 30 Grad im Schatten natürlich ganz angenehm ist. In der Showlounge und im Restaurant fand ich es aber beispielsweise eine Spur zu kalt, hier sollten sich empfindsame Menschen ein Tuch und ein Strickjäckchen einpacken.

Gibt es eine Wechselstube auf der Color Magic?

Ja, laut Bordplan gibt es eine, ich habe sie aber nicht gesehen. Meiner Erfahrung nach braucht man in Skandinavien aber auch kein Bargeld mehr, die Skandinavier mögen Kreditkarten.

Gibt es Internet / Wifi an Bord der Color Magic?

Ja, und soweit ich weiß sind alle Schiffe der Color Line Reederei damit ausgestattet. Ganz schön teuer ist es aber auch: 70 NOK werden für 3 Stunden fällig, 120 NOK (meine ich) für 12 Stunden, 240 NOK für 24 Stunden. Dann gibt es noch für umgerechnet über 50 Euro einen Familientarif für mehrere Devices (Geräte) gleichzeitig über 24 Stunden hinweg. Ziemlich happig, aber Internet auf hoher See ist eben auch keine Selbstverständlichkeit. Um den Internetzugang zu bekommen, loggt man sich einfach ins Bord-Wifi ein und hinterlässt seine Kreditkartendaten, während man den gewünschten Tarif auswählt. Funktioniert ganz gut: Ich hatte bei 3 Stunden auf hoher See keine Abbrüche, habe es aber auch nicht durchgehend genutzt. Gibt an Bord ja auch sehr viel Spannenderes zu tun.

Welche Sprache ist die Bordsprache auf der Color Magic?

Allein mit Deutsch kommt man hier gut vorwärts. Die Kellner haben sogar “2 Spezi” verstanden. Fand ich aber doof: Ich spreche mehr oder weniger fließend Schwedisch, und natürlich hatte ich überhaupt keine Lust, mich auf Englisch oder gar auf Deutsch zu unterhalten. Norweger und Schweden verstehen sich gut. Also sprach ich Schwedisch, musste dann aber für meine nicht-Schwedisch-sprechenden Mitfahrer alles auf Deutsch übersetzen und erhielt ab da nur noch Antworten auf Englisch oder auf Deutsch. Frustrierend, wenn man endlich mal wieder die Sprache anwenden will, aber auch lustig. Das Bordpersonal konnte uns überhaupt nicht einordnen, irgendwann waren alle nur noch verwirrt. Lange Rede, kurzer Sinn: Am Ende habe ich auch nur noch Deutsch und Englisch gesprochen. Was aber auffällt: Norwegisch ist schon die vorherrschende Sprache. Alle Beschreibungen sind erstmal auf Norwegisch, und auch die Ansagen an Bord werden zuerst auf Norwegisch getätigt und dann erst auf Deutsch. Interessant! Aber klar, die Color Magic fährt schließlich auch unter norwegischer Flagge und ist eher auf das Oslo-Kiel-Publikum eingestellt als auf das Kiel-Oslo-Klientel.

Lohnt sich das Color Magic Showprogramm?

Wenn man auf Musical-Tamm-Tamm steht: Ja. Ist ganz nett. Vor Beginn bilden sich lange Schlangen in der Showlounge, das fand ich im Nachhinein etwas übertrieben, denn so toll ist es nun auch wieder nicht. Man setzt sich hin, bestellt einen mega teuren Cocktail und fühlt sich ein bisschen unterhalten, aber das war’s. Man kann auch mitten in der Show kommen, dann umgeht man die Warteschlangen, findet aber eventuell nur noch einen Stehplatz. Einmal kurz reinschauen reicht aber auch.

Hab ich was vergessen? Frag mich!

Ich glaube, ich habe hier schon viele Fragen zur Minikreuzfahrt Kiel Oslo beantwortet. Falls ich etwas vergessen habe, kannst du mich aber gern hier fragen, indem du einen Kommentar hinterlässt.

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