Morgen, Muffel: Früher aufstehen für Anfänger

Morgens besser aufstehen

Seit einiger Zeit (vier Wochen) mache ich etwas völlig Beklopptes, auf das ich aber total stolz bin, weil ich tatsächlich durchhalte und weil es sich richtig, richtig gut anfühlt: Ich stehe um 5 Uhr auf, um mir morgens Zeit für mich selbst zu verschaffen. Keine Hektik mehr, kein Gehetze, keine miese Laune. Sondern Breakfast & Chill. Gelassenheit. Und so weiter.

Ich stehe also in aller Herrgottsfrühe auf, ziehe mir meine Sportklamotten an, die ich am Abend vorher schon ordentlich im Bad zurecht gelegt habe, schwinge den Morgenmantel drüber, denn morgens ist mir immer erstmal so kalt, dann trinke ich meinen Fencheltee und starte mit der strukturierten Tagesplanung. Anschließend mache ich Yoga oder trainiere mit Sophia Thiel, je nach Tag. Danach frühstücke ich was total Gesundes (Porridge mit Flohsamen natürlich, wie es alle gerade tun), gehe ich duschen und sitze um 7:15 Uhr gut gelaunt und top gestylt in meinem Auto, bereit zur Abfahrt.

Soweit zur Theorie. Nun die Wirklichkeit.

Sagen wir mal so. Aller Anfang war schwer. Es begann schon damit, dass ich den Wecker abends am anderen Ende des Schlafzimmers platzieren musste, damit ich am nächsten Morgen überhaupt in Erwägung zog, beim Klingeln auch nur den kleinen Finger zu rühren. Ich quälte mich in den ersten Wochen also hoch, taperte zur fünf Meter entfernten Heizung, auf der ich ihn platziert hatte, und warf das blöde Ding an die Wand. Der Wecker ist ungewöhnlich haltbar. Anschließend Scheißlaune von dem andauernden Gepiepe. Bin sehr geräuschempfindlich morgens. Schlaftrunken schleppte ich mich Morgen für Morgen ins Bad – und direkt wieder zurück. Die Sportklamotten lagen nicht am erwarteten Platz. Ich wühlte im Dunklen im Kleiderschrank. Mir fiel die Hälfte entgegen. Wollte den am Wochenende aufräumen. Wollte, wollte, Fahrradkette. Irgendwo kramte ich noch ein paar Socken heraus und tastete mich mit halb geöffneten Augen in die Wohnküche vor, um den Wasserkocher anzuwerfen. Erwischte aber versehentlich die Kaffeemaschine und warf einen Teebeutel hinein. Das ist tatsächlich passiert. Ein Mal. Der Kaffee schmeckte ungewohnt dünn an diesem Morgen. Sollte mich zum Schluss mit der Tasse an den Küchentresen setzen und meinen Tag durchdenken.

Schlief stattdessen immer wieder mit dem Teekaffee in der Hand auf dem Sofa ein.

Wie konnte das passieren? Ganz einfach: Weil ich abends zu spät ins Bett gegangen bin. Wer morgens wie der frische Tag aus dem Bett hüpfen will, muss abends eben entsprechend früh die Segel streichen. Aber wer geht schon gern um 21 Uhr ins Bett, noch dazu an einem Sonntag? Das Sofa ist schuld, schon wieder. Die berühmte Schwerkraft ist ums Sofa herum eben gerade in den frühen Morgenstunden besonders hoch. Und das Sofa ist ja auch so viel bequemer als der Küchentresen. Wie durch Zauberhand läuft im Fernsehen nicht meine Trainings-App, sondern das Morgenmagazin. Prominews. Ich ziehe die Sofadecke zu mir heran. Mir ist kalt.

Da war ja noch was: Hunger!

Irgendwann muss ich vom Sofa wieder hoch und mir was zu essen machen. Ich kann kein Porridge mehr sehen. Schafft es eigentlich irgendwer da draußen, Flohsamenschalen zu essen, bevor sie aufquellen? Hat mal jemand mit der Stoppuhr nachgehalten, wie schnell man da sein muss, bevor sie alles, was man mit ihnen bestreut, gnadenlos in eine glibbrige, ungenießbare Masse verwandeln? Ich schon. Ganze drei Hundertstel Sekunden. Ich bin morgens zu langsam für ein Wettrennen mit einer hinterhältigen Wegerichpflanze. Ich schaffe es oft nicht einmal, den Milchtopf vom Herd zu rücken, bevor die verdammte Mandelmilch überkocht und darf mich dann auch noch mit dem Reinigen unseres Ceranfeldes beschäftigen. Da hätte ich natürlich viel lieber Yoga gemacht.

Was mich die letzten Wochen allerdings auch tiefenfrustriert hat.

Da will man sich morgens was Gutes tun und startet das Yoga-für-Anfänger-Programm, stellt dann aber fest, dass man noch nicht einmal ordentlich im Schneidersitz sitzen kann, weil das linke Knie ja seit Wochen weh tut. Wer nicht im Schneidersitz sitzen kann, hat beim Yoga ein Problem. Das ist ungefähr so, als wollte man ohne Sprunggelenke Basketball spielen. Außerdem macht es mich morgens aggressiv, wenn die Yogalehrerin auf dem Bildschirm mit ihrem sibyllinischen Lächeln „Namaste!“ haucht. Du. Mich. Auch. Blöde Kuh.

Meine Laune ist am Tiefpunkt.

Ich könnte natürlich auch ausschlafen. So wie früher: Auf den letzten Drücker aufstehen, duschen, Tee kochen, Brot schmieren, im Auto essen, alles wunderbar. Dieses leicht unregelmäßige Nahrungsaufnahmeverhalten hat aber leider zu anhaltenden, gesundheitlichen Schwierigkeiten geführt. Also quäle ich mich mies gelaunt durch mein Morgenritual, erhalte dafür aber einen perfekt funktionierenden Stoffwechsel. Man muss eben Opfer bringen. Und ein gutes Vorbild sein. Immerhin gilt es, auch die nächste Generation vom Morgenmuffel zum gutgelaunten Frühaufsteher zu erziehen. Um 5.30 klingelt bei uns der nächste Wecker, damit L pünktlich um 6 zur Sesamstraße nochmal ganz gemütlich auf dem Sofa wegschlummern kann. Wir sind eben beide ein bisschen bescheuert.

Morgenmuffel? Tipps zum Frühaufstehen!
Mein Feind und Helfer: Der neue Wecker und ich haben eine leicht ambivalente Beziehung

Früher aufstehen – meine 10 Tipps

Also ich gebe zu, es läuft so mittelprächtig beim mir mit dem Frühaufstehen. Es klappt ja grundsätzlich, ich stehe jeden Morgen um 5 Uhr auf den Beinen. Hat ja keiner behauptet, dass man auf diesen stehen bleiben muss. Das mit dem Sporteln am Morgen ist schon so eine Sache. Was ich aber auf jeden Fall gelernt habe: Zuerst muss ich meinen Rhythmus umstellen und das durchhalten: Abends früh ins Bett, morgens früh raus. Nachdem sich das bei mir so halbwegs eingependelt hatte, indem ich nämlich auch abends pünktlich um 21 Uhr hundemüde wurde, kam auch die Energie am frühen Morgen zurück. So ließ sich sogar die dauerlächelnde Yogalehrerin morgens besser ertragen. Folgendermaßen habe ich das geschafft:

  1. Sich abends schon etwas Schönes für den nächsten Morgen vornehmen: Wenn ich mir zum Beispiel abends vorgenommen habe, mir morgens was Gutes zu tun, fiel mir das Aufstehen viel leichter. Sich Zeit nehmen, um die Nägel neu zu lackieren. Den Lieblingstee trinken. Die Zeitung lesen, die schon seit Ewigkeiten rumliegt. Die Aussicht auf solche Dinge hat mir total geholfen, aus dem Bett zu kommen.
  2. Abends schon Klamotten raussuchen: Schlaftrunken vor dem Kleiderschrank stehend kann ja kein gutes Outfit entstehen. Das raubt außerdem Zeit und nervt im Halbdunklen. Also habe ich mir angewöhnt, das abends zu machen. Klappt auch nicht immer, aber wenn ich es geschafft habe, freue ich mich morgens sehr darüber.
  3. NICHT vom Handy wecken lassen: Ich befinde mich ja auf Mission „Vom Smartphone loskommen„. Als eine der ersten Maßnahmen habe ich mir einen altmodischen Funkwecker gekauft. Früher habe ich tatsächlich nach dem Wachwerden erstmal Kanäle gecheckt und News gelesen. Totaler Mist. Macht müde Augen und Kopfschmerzen.
  4. NICHT snoozen: Mein Wecker hat auch eine Snooze-Funktion, aber die ist tödlich. Ich schlafe immer wieder ein, und nach jedem Intervall fühle ich mich müder als nach dem vorigen. Ich stelle also lieber den Wecker in die andere Zimmerecke, dann muss ich hoch. Einmal auf den Beinen schaffe ich es auch in die Küche.
  5. Frischluft: Eigentlich hasse ich nichts mehr als frische Luft am Morgen. Wer mich in drei Nanosekunden ausflippen sehen will, stellt die Fenster auf Durchzug, während ich im Bad bin. Aber ich musste unlängst einsehen: Natürlich wird man mit frischer Luft schneller wach.
  6. Gemütlichkeit: Ich bin morgens langsam, und mir ist kalt. Also schlüpfe ich in den wunderbar weichsten Morgenmantel der Welt. Das ist herrlich. Gibt noch ein bisschen Bettdecken-Feeling.
  7. Licht: Fünf Minuten unter die Rotlichtlampe, ein bisschen vom letzten Urlaub träumen, und schon tanke ich wieder richtig gut Energie. Alternativ tut es natürlich auch ein völlig überteuerter Lichtwecker. Pft.
  8. Bewegung: Ja, Sport am Morgen ist Mord. In den ersten Minuten. Tut aber richtig gut. Richtig schön recken und strecken und los geht’s. Aber: Nicht zu viel vornehmen, das führt nur zu Frust. Es muss nicht jeden Tag sein. Es muss nicht immer lange sein. Ich darf auch mal gammeln und einen Morgen lang Morgenmagazin gucken stattdessen.
  9. Früüüühstück: Und den letzten Energiekick gebe ich mir durch ein gutes Essen. Wie gesagt, früher gehörte ich zur schnell-im-Auto-essen-Fraktion, heute nehme ich mir Zeit. Mein Frühstück besteht immer aus wechselndem Obst, Haferflocken oder anderem Getreide und fettarmem Naturjoghurt mit Vanillezucker (nicht gut, I know, aber ich liebe ihn nunmal) oder Mandelmilch. Frühstücken rockt.
  10. Tagebuch führen: Mir hilft es, morgens kurz in einem Notizbuch niederzuschreiben, wann ich aufgestanden bin, was heute ansteht, worauf ich mich freue und was mich nervt. Je mehr Seiten sich füllen, desto besser erkenne ich, wie lange ich schon durchgehalten habe. Ich tendiere weniger dazu, in alte Verhaltensmuster zurückzufallen.

Wer oder was ist ein Lonari?

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