Ich bin mich noch am Sortieren. Das ist vermutlich der grammatikalisch verkehrteste Satz, den ich je niedergeschrieben habe, aber was soll’s. Ab und zu bricht halt die Rheinländerin in mir durch. Also: Mission “Vorwärts stolpern mit System” ist in vollem Gange, aber ich sortiere noch. Heute geht’s noch mal um die konkreten Ziele und die nächsten Schritte.

Neulich schrieb ich ja von fünf Zielen, aber ich habe noch mal nachgezählt: Es sind eigentlich sechs Dinge, die ich nie zustande oder nie zu Ende gebracht habe und unbedingt erreichen möchte.

  1. Regelmäßig bloggen.
  2. Meinen Roman beenden.
  3. Meine Finanzen in den Griff bekommen (vor allem die Altersvorsorge).
  4. Mein Trainingsprogramm durchziehen: Ich möchte über Woche 1 von YAYOG (unbezahlte Werbung weil Markennennung und Verlinkung, ich möchte euch einfach nur zeigen, womit ich hier hantiere) hinauskommen, endlich mal wieder!
  5. Von der Smartphone-Sucht loskommen (6 Stunden täglich – wtf! – ehrlich, das geht überhaupt nicht und ist erschütternd).
  6. Das geheime Ziel, das ich eigentlich nicht öffentlich benennen möchte, aber vielleicht verrate ich es mal, wenn ich es erreicht habe.

Das wären sie also. Nun reicht es ja aber nicht, nur darüber zu schwadronieren, ich muss auch was tun, so viel ist klar.

Selbstoptimierung. Wie das schon klingt.

Ich habe mich nach passenden Keywords für diesen Artikel umgesehen, und dabei bin ich auf “Selbstoptimierung” gestoßen. Ich mag das Wort eigentlich gar nicht, aber vermutlich trifft es mein Vorhaben trotzdem ganz gut. Ich will ja was optimieren. Mich selbst. Wenn man das googelt, dann erscheinen da Artikel und Videos, die einem versprechen, Selbstoptimierung würde einen “produktiver und glücklicher” machen, die Sehnsucht nach einem “besseren Ich” erfüllen, aber das “Maximum” sei nicht immer gut.

Ehrlich gesagt habe ich gar keine so hohen Ansprüche an diese Selbstoptimierung.

Im Grunde finde ich mich selbst ja schon ganz gut. Ich will nur bestimmte Ziele erreichen, und dazu muss ich ein bisschen an mir schrauben. Und wie ich dabei vorgehen möchte, davon habe ich eigentlich schon ziemlich genaue Vorstellungen. Zumindest würde ich es gern erst mal ohne die ganzen obligatorischen “Selbstoptimierung für Dummies”- Ratgeber versuchen. Wenn ich mit meinem System scheitere, kann ich ja immer noch darauf zurück greifen. Aber grundsätzlich halte ich wenig davon, mir von anderen erklären zu lassen, was in meinem Leben schief läuft, nur, weil sie wissen, was in ihrem Leben schief gelaufen ist und dazu in der Lage waren, das irgendwie in den Griff zu bekommen.

Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen.

Das ist mein neuer Lieblingsspruch, den ich neulich irgendwo aufgeschnappt habe. Genau: In anderen Selbstoptimierungs-Ratgebern schreiben sie über andere Zirkusse und andere Affen. Hier geht’s aber um meinen Zirkus, und da möchte ich doch erst mal selbst in die Manege steigen und mal sehen, ob sich die ganzen Zeitfresser von mir dirigieren lassen. Ich möchte erstmal mein eigener Zirkusdirektor sein, bevor ich andere Dompteure da ranlasse. Hätten wir das auch geklärt.

Wie geht’s also weiter mit meiner Selbstoptimierung?

Seien wir ehrlich: Der Knackpunkt ist das Zeitmanagement und die Priorisierung. Ich lebe zwar aktuell auch nicht gerade sorglos in den Tag und bin bereits ganz gut organisiert. Als Mutter und Pflegeangehörige und Vollzeitbeschäftigte muss ich das sein. Aber da gibt es definitiv Optimierungspotenzial. Wenn ich allein daran denke, wie viel Zeit ich täglich vor dem Smartphone verbringe, und das völlig sinnlos, ohne irgendwas Produktives dabei zustande zu bringen. Oder daran, wie viele Serien ich derzeit so auf Netflix konsumiere. Okay, das muss auch sein, jeder Mensch braucht Entspannung. Aber dabei vernachlässige ich die Dinge, die mir wirklich wichtig sind.

Hier ist der Plan zu meinem besseren Ich.

Oh Gott, wie das schon klingt. Nein, mit solchen Floskeln will ich eigentlich gar nicht um mich werfen. “Mein besseres Ich” – was für ein Schwachsinn. Ich will kein besseres Ich, ich will zielstrebiger werden und mich weniger ablenken lassen. Der Rest darf gern so bleiben, wie er ist. Und folgendermaßen gehe ich vor:

Phase 1: Zeitmanagement optimieren

  1. Ich werde die kommenden zwei Wochen mitloggen, was ich in meiner Freizeit tue, also außerhalb der 8-17-Uhr-Geschichte, die ich mit Arbeit verbringe.
  2. Dann schaue ich mir das Ergebnis an.
  3. Dann identifiziere ich Punkte, die mir nicht gefallen, benenne sie und mache mir einen Plan, wie ich sie ändern möchte.

Ich ahne bereits, wo die Knackpunkte sind, aber ich hätte das gern Schwarz auf Weiß. Denn ahnen bringt mich nicht weiter. Wenn ich vorwärts stolpern möchte, muss ich schon genau wissen, an welchen Stellschrauben es zu drehen gilt.

Phase 2: Einzelne Ziele angehen.

Teile der zweiten Phase könnte ich bereits angehen, während Phase 1 schon läuft. Aber ich muss eben in Phase 1 erst mal checken, wie viel Zeit ich durch die Optimierung effektiv gewinne, um entscheiden zu können, welches der Einzelziele ich wann und wie schnell angehe. Die Liste der Einzelziele ist noch nicht vollständig, und vielleicht passe ich sie auf meiner Vorwärts-stolpern-Reise auch immer mal wieder an. So sieht sie bislang aus:

  1. Regelmäßig bloggen.
    1. Mir ein Tello-Board (Werbung weil Markennennung) anlegen und die Themen so richtig professionell im Voraus planen.
    2. Mir über die Vermarktung der Blogeinträge Gedanken machen und die entsprechenden Schritte einleiten.
    3. Zu Beginn 2-3 Beiträge pro Woche veröffentlichen. Muss aber auch passen, nicht auf Zwang.
    4. Darüber bloggen, dass ich blogge, und zwar hier.
  2. Meinen Roman beenden.
    1. Dazu in Scrivener (Werbung weil Markennennung), das Schreibprogramm, das ich nutze, den Plot noch mal gerade ziehen.
    2. Kapitel 4-25 glatt ziehen. Der Roman steht eigentlich schon. Die Kapitel sind fertig. Ich finde sie nur noch nicht gut genug.
    3. Es mehr Menschen lesen lassen – das dürfte der schwierigste Part sein, denn das fühlt sich immer an, als würde ich mich nackig machen oder ein armes, schutzloses Baby mitten in den kalten, nassen Regen setzen – aber da müssen das Baby und ich wohl durch.
    4. Dem Lektor des Verlages, der vor fünf Jahren zu mir sagte: “Schreib ein lustiges Buch und lass Dir dafür die Zeit, die Du brauchst und meld Dich wenn Du fertig bist.” mal vorsichtig mailen und sagen, ich wäre nun so weit – der alleeschwierigste Schritt von allen, denn er meinte damals sicher nicht: “Lass Dir fünf Jahre Zeit!”, und vermutlich wird er mich für irre halten, dass ich es wage, mich so viele Jahre später noch mal bei ihm zu melden. Aber was soll’s.
    5. Und dann mal sehen, was passiert.
    6. Darüber bloggen, was mit dem Roman passiert, und zwar hier.
  3. Meine Finanzen in den Griff bekommen (vor allem die Altersvorsorge).
    1. Mir ein Programm raussuchen, das ich absolvieren kann: Es gibt ganz tolle Bloggerinnen, die sich mit Finanzen schon viel besser auskennen als ich, und die passende Coachings zu diesem Thema anbieten.
    2. Mich für ein solches Programm registrieren und es durchziehen: Die meisten dieser Coachings bestehen aus regelmäßigen Newsletter-Mailings und ziehen sich über 4-6 Wochen hinweg. Dann muss man jeden Tag eine Aufgabe erledigen. Ich finde, das klingt schaffbar, und ich glaube, ich brauche auch hier so eine Art Drill Instructor, der mit täglich per Mail in den Hintern tritt.
    3. Darüber bloggen, wie das läuft, und zwar hier.
  4. Mein Trainingsprogramm durchziehen: Dieser Punkt ist sehr stark abhängig von den Ergebnissen aus Phase 1 und davon, ob ich es schaffe, abends früher ins Bett zu gehen und morgens früher aufzustehen. Das wird spannend. Die Unterziele lauten:
    1. YAYOG besteht aus einem 10-wöchigen Anfänger-Training, das ich schon mal komplett absolviert habe. Danach hatte ich die geilsten Muskeln überhaupt, und dann habe ich es monatelang sein gelassen. Das muss doch wieder zu schaffen sein.
    2. Regelmäßig laufen: Ich bin ein Morgenläufer, ich liebe einfach die Morgenluft. Aber das heißt: früher aufstehen. Jetzt im Sommer könnte das wieder gelingen.
    3. Wieder zum Aquagym gehen, wenigstens alle zwei Wochen.
    4. Natürlich darüber bloggen, ob es klappt.
  5. Von der Smartphone-Sucht loskommen (6 Stunden täglich – wtf! – ehrlich, das geht überhaupt nicht und ist erschütternd).
    1. Hier habe ich eigentlich nur ein Ziel: Ich möchte das auf 2 Stunden täglich reduzieren. Das muss möglich sein.
    2. Klingt irgendwie grotesk aber: Darüber bloggen, ob ich vom Smartphone loskomme, und zwar hier.
  6. Das geheime Ziel, das ich eigentlich nicht öffentlich benennen möchte, aber vielleicht verrate ich es mal, wenn ich es erreicht habe.
    1. Deshalb kann ich hier natürlich keine Unterpunkte verraten.
    2. Nicht darüber bloggen, denn sonst wäre es ja kein Geheimnis mehr.

Und die Prio meiner Selbstoptimierung?

Die oben genannte Liste spiegelt noch nicht wieder, welche Wichtigkeit die einzelnen Ziele für mich haben. Das werde ich erst festlegen, wenn ich Phase 1 abgeschlossen habe. Dann überlege ich mir, welches dieser Ziele ich zuerst angehe und ob es Ziele gibt, die ich parallel verfolgen kann. Alles gleichzeitig werde ich nicht schaffen, das ist mir jetzt schon klar.

Gibt es einen generellen Zeithorizont?

Mit dieser Frage tue ich mich tatsächlich schwer. Ich könnte jetzt natürlich sagen: Bis Ende 2020 muss das alles laufen. Aber irgendwie sträube ich mich noch dagegen, das festzulegen. Daran kann ich doch nur scheitern. Ich glaube, ich werde das offen lassen. Ich setze mich ja schon genug damit unter Druck, dass ich all diese Ziele hier öffentlich herausposaune und dann schlecht am Ende sagen kann: Ach nee, doch nicht. Das reicht mir eigentlich schon.

Und zum Schluss noch ein Outing: Ich heiße eigentlich Becky Bloomwood, und meine ganzen Schrullen wurden in Bestsellerromanen verarbeitet.

Schon 2018 wollte ich all meine Ziele ganz zielstrebig angehen. Also habe ich mir sehr zielstrebig und voller Tatendrang erstmal ein Notizbuch gekauft, nämlich das, was ihr oben im Beitragsbild seht:

Selbstoptimierung: Eigentlich wollte ich damit schon 2018 beginnen...

Und weiter bin ich damit natürlich nicht gekommen. Nicht eine einzige Seite habe ich darin beschrieben. Genau wie beim Badeanzug, den ich für den Aqua-Fit-Kurs kaufte, um dort nie wieder hinzugehen. Vielleicht gibt es hier die ein oder andere Leserin, die jetzt sagt: Moment mal, dieses Verhalten kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Dann will ich mich hier mal outen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ich die lebendige Vorlage für die berühmte Romanfigur Becky Bloomwood aus den Shopaholic-Büchern bin, ist nicht ganz so gering.

Denn es gibt da einige sehr auffällige, quasi nicht übersehbare Parallelen. Becky ist auch Finanzredakteurin, kämpft mit riesigen Finanzlöchern und neigt dazu, sich bei der Umsetzung ihrer Pläne durch Shopping ablenken zu lassen. Da ich der Autorin Sophie Kinsella bislang aber nicht persönlich begegnet bin, ist die Ähnlichkeit zwischen Becky und mir vermutlich nur purer Zufall, und die Romanfigur und ich sind einfach nur Seelenverwandte, zwei Königinnen des perfektionierten Selbstbetrugs. Mir gefällt aber die Variante, dass Sophie Kinsella von mir abgekupfert hat, deutlich besser. Bleibe also dabei.

Und deshalb heißt Regel Nummer eins beim “Vorwärts stolpern”-Projekt: Es wird nichts gekauft.

Keine Badeanzüge, keine Notizbücher, nichts. Denn meine Ziele kann ich auch mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln erreichen. Ich habe einen Laptop, ich habe ein Blog, ich habe einen Plan und ich habe Willenskraft. Das sollte langen. Denn man tau.


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