In den letzten Wochen habe ich viel darüber nachgedacht, was ich eigentlich mit diesem Blog möchte. Im letzten Sommer habe ich es sehr ambitioniert neu gestartet und es dann gleich wieder sein gelassen. Und dabei wollte ich es doch unbedingt wieder in meinen Alltag integrieren. Das hat aber nicht geklappt. Also habe ich das einzig Logische getan – und es bockig einige Monate liegen gelassen. Jetzt ist Frühling, und der Frühling ist ja für viele mit dem Thema “Neustart” verbunden. Aber will ich das wirklich? Will ich wirklich wieder starten, nur, um es dann nach ein paar… (seien wir ehrlich) Tagen wieder sein zu lassen?

Neuanfang (ein Symbolbild): Meine Balkonkästen brauchen genauso einen Neustart wie mein Blog. Wie man sieht.

Nein, das kann ich nicht wirklich wollen.

Also habe ich mir weiter Gedanken gemacht, woran das eigentlich liegt, dass ich immer wieder aufhöre. Das wurde mir relativ schnell klar: Es liegt daran, dass ich darin keinen tieferen Sinn sehe.

Ich habe nämlich gar keine Lust, dauernd über irgendwas zu bloggen, nur um zu bloggen. Denn was mir wirklich fehlt, ist ein Thema. Das ein oder andere Mal schielte ich neidisch hinüber zu anderen Blogs, die 20 Jahre nach meinem gestartet sind und sich mit einem ganz klaren Thema pfeilgerade in ihrer Themenecke etablierten. In diesem Zusammenhang möchte ich übrigens mal das tolle, tolle Blog meiner Kollegin Lisa zeigen: Lesen.Schreiben.Glücklichsein. – Klare Ansage, super schönes Thema, sehr lesenswert!

Und ich?

Ich blogge seit 1997 so vor mich hin, hatte nie ein Ziel damit, außer, Menschen mit meinem Geschrieben zu erfreuen, aber so richtig ambitioniert war ich damit nie, habe es nie voran getrieben, das Blog immer mehr als eine Art Spielwiese betrachtet, ein Hobby. Ich schreibe beruflich sehr viel, auch deshalb war privat auch oft nicht mehr viel Luft und Inspiration vorhanden.

Also fing ich immer mal wieder mit dem Bloggen an – und hörte noch öfter wieder damit auf. Doch genau das möchte ich nicht mehr. Entweder mache ich es jetzt mal richtig, oder gar nicht mehr.

Aber wie?

Was ist überhaupt mein USP*? Habe ich eigentlich einen? Ja, ich denke schon: Ich schreibe ganz gut. Das wird mir zumindest von der geneigten Leserschaft immer mal wieder attestiert. Aber was möchte ich denn erzählen? Nur von mir, aus meinem Alltag? Das habe ich früher oft gemacht, mit Anekdoten aus dem Alltag. Aber mich darauf zu beschränken, finde ich selbst langweilig. Mir passiert ja auch gar nicht so viel, was ich anekdotisch täglich – oder meinetwegen auch nur wöchentlich – festhalten möchte. Und dann wusste ich es plötzlich. Auf einmal fiel mir mein Thema vor die Füße – platsch! Da war es.

Und es ist so einfach, dass ich schon selbst lachen muss.

Weil ich es selbst schon zig mal als Charakteristikum benannt habe. Weil ich ständig sage: Hi, ich bin’s, Lonari, und am typischsten für mich als Bloggerin ist, dass ich immer nur dann publiziere, wenn ich wirklich was zu sagen habe – und dass ich nie durchhalte. Genau. Das ist mein Thema. Man muss sich ja nur diesen Blogeintrag ansehen, den ich letzten Sommer schrieb. Diese Erkenntnis ist eine ganz schön bittere Pille, aber ich muss sie wohl schlucken, denn ja:

Ich kann nichts zu Ende bringen.

Nie. Okay, nie ist vielleicht übertrieben. In meinem Job schreibe ich schließlich auch Artikel fertig, muss ich ja. Sonst steigen mir die Kollegen aufs Dach. Aber privat sieht das tatsächlich anders aus. Hier mal eine kleine, unvollständige Liste der Dinge, die ich immer wieder anfange, aber nie zu Ende mache:

  • Ich fange an zu bloggen und höre dann wieder auf.
  • Ich schreibe seit 5 Jahren am selben Roman.
  • Ich fange seit 4 Jahren immer wieder in Woche 1 meiner Fitness-App von vorne an. Und das zirka alle zwei Wochen (das zeigt ja immerhin auch ein gewisses Durchhaltevermögen).
  • Ich nehme mir seit Jahren vor, mich endlich um meine Altersvorsorge zu kümmern, aber das einzige, was wächst, ist meine Versorgungslücke.
  • Ich nehme mir täglich vor, früh ins Bett zu gehen, und dann bleibt es bei diesem Vorsatz, und am nächsten Morgen bin ich müde.

Und das alles führt natürlich dazu, dass ich in den Dingen, die ich mir vornehme, nur so semi-erfolgreich bin. Ich scheitere daran, mein Blog wirklich am Leben zu halten, ich scheitere daran, meinen Roman rauszubringen, und fitter werde ich auch nicht gerade. Da wären also einige Dinge, die mit losen Enden in meinem Leben herumbaumeln. Und ich bin ja trotzdem kein Loser. Dass nicht alles klappt, gehört ja auch zum Leben dazu. Und einige Dinge habe ich bisher ganz erfolgreich hinbekommen und zu Ende geführt. Werfen wir also der Vollständigkeit halber (und damit ich mir nicht ganz so blöd vorkomme) einen kleinen Blick auf die Erfolge:

  • Ich habe eine ganz tolle Tochter von bald 10 Jahren.
  • Ich habe einen Bachelor in Skandinavistik, Germanistik und Politikwissenschaft (okay, es hat 11 Semester gedauert, aber so what, ich habe viel gearbeitet und na ja, in dieser Zeit auch ganz gut gelebt, und es fragt doch auch kein Mensch mehr danach, Himmelherrgottnochmal).
  • Ich habe seit 2011 einen festen Job, der mir Freude macht (also habe ich eine Bewerbungsphase erfolgreich abgeschlossen und seit 8 Jahren das Berufsleben ganz gut gemeistert).
  • Und im Job habe ich übrigens gerade ein Corporate Blog gelauncht – das wäre wohl mein aktuellster “Ich habe es zu Ende gebracht”-Erfolg.
  • Ich habe meine Mama zu mir nach Hamburg geholt, organisiere seitdem ihr Leben, ihren Pflegegrad, ihren Haushalt und überhaupt so ziemlich alles und schreibe auf missionmamapapa.wordpress.com darüber (und das ganze Pflegeperson-Ding erfordert ein hohes Maß an striktem Projektmanagement und die Fähigkeit, Dinge zu Ende zu bringen).

Apropos Mama. Die hat mich erst auf die Idee mit dem Blog-Thema gebracht. Denn neulich sagte sie in einem anderen Zusammenhang folgendes zu mir:

Weißt Du, jeder stolpert mal. Aber das Gute am Stolpern ist, dass man immer nur vorwärts stolpern kann.

Und wie Recht sie damit hat! Deshalb widme ich mein Blog ab sofort meinem Lebensthema, das mich tatsächlich schon all die Jahre begleitet: Vorwärts stolpern. Denn wenn ich daran scheitere, Dinge zu Ende zu bringen, dann passiert das immer, indem ich über irgendwas stolpere. Nehmen wir noch mal die oberen Beispiele:

  • Wenn ich immer wieder vergesse, zu bloggen, dann stolpere ich meistens über meinen Alltag, der mir Stöckchen zwischen die Beine wirft und mir Zeit dazu raubt.
  • Wenn ich zwischendurch immer wieder Pausen beim Romanschreiben einlege, stolpere ich meistens über die berühmte Schreibblockade, die es sich mitten auf der Tastatur bequem gemacht hat.
  • Und in Sachen Fitness-App stolpere ich natürlich immer über den inneren Schweinehund.

Ich hätte natürlich noch ein paar aktuelle Beispiele auf Lager: Ich habe vor zwei Wochen hochambitioniert mit Aquagym begonnen und mir fest vorgenommen, das mindestens zwei Mal pro Woche zu machen. Ich habe mir sofort einen neuen, schicken Sportbadeanzug gekauft, weil dort niemand im Bikini rumturnt, und bin seitdem nie wieder hingegangen. Was daran lag, dass ich andere Termine hatte. Und daran, dass ich nie um Ausreden verlegen bin.

Durchhalten heißt also auch: Prioritäten setzen und ehrlich zu sich selbst sein.

Wie ihr merkt, bin ich noch in der Analyse-Phase hinsichtlich der Frage, warum ich nie durchhalte. Wichtig dabei ist natürlich: Es ärgert mich. Natürlich ärgert es mich, wenn ich Dinge abbreche. Bei manchen mehr, bei manchen weniger. Was mich aber massiv ärgert, ist, dass es so viele Sachen sind, und dass es sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht. Das möchte ich nicht mehr. Ich will das ändern. Dafür muss ich mir im ersten Schritt aber erstmal klar darüber werden, welche Dinge ich genau durchziehen möchte, die noch lose herumliegen. Zwei Dinge weiß ich jetzt schon:

  1. Ich will regelmäßig bloggen. Bloggen macht mir Spaß. Es soll wieder Teil meines Lebens werden.
  2. Ich will meinen Roman beenden. Dafür werde ich einige andere Aktivitäten streichen müssen, denn sonst habe ich dafür zu wenig Zeit.
  3. Ich will wieder fitter werden, und dazu möchte ich mein Fitnessprogramm durchziehen.
  4. Ich möchte meine Finanzen in den Griff bekommen, also vor allem meine Altersvorsorgelücke. Das müsste ich eigentlich auf Platz 1 setzen (mit dem Priorisieren habe ich es noch nicht so).
  5. Und es gibt noch einen fünften Punkt, aber den verrate ich noch nicht.

Na sowas, da sind mir doch glatt mehr als zwei Sachen eingefallen, die mir wirklich, wirklich wichtig wären. Das schreit nach einer umfangreicheren Bestandsaufnahme. Die werde ich in den nächsten Tagen anfertigen. Und ich werde dokumentieren, womit ich wie viel Zeit verbringe, um zu erkennen, was ich eigentlich tagein, tagaus tue. Ein wichtiger Schritt liegt schon hinter mir: Ich habe verstanden, dass ich etwas ändern muss, und ich sehe Scheitern als nichts Negatives mehr an. Es ist alles eine Frage des Mindsets: Ich scheitere nicht, ich stolpere. Und das geht nur in eine Richtung: vorwärts. Ich muss aber auch wieder aufstehen, denn nur dann geht es tatsächlich weiter.

Vorwärts stolpern mit System, quasi.

Das ist also mein neues Blog-Motto. Übrigens habe ich nicht vor, mich und mein Leben durchzuoptimieren. Ich weiß, dass ich das nicht schaffe. Das wird hier also kein Marie-Kondo-mäßiges “Ich räume mein ganzes Leben auf”-Blog. Diesen Anspruch habe ich gar nicht. Ich fange lieber klein an. Es gibt ein paar wenige Ziele, die sind mir sehr wichtig, und die muss ich mit etwas mehr Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen angehen. Ich denke, es wird mir helfen, das öffentlich zu tun, denn dann kann ich mich schlechter hinter Ausreden verstecken. Und auf diese Reise möchte ich euch in der nächsten Zeit mitnehmen und hier regelmäßig davon berichten. Oder auch nicht. Ich verspreche lieber nichts.


USP = Online-Marketing-Deutsch für Alleinstellungsmerkmal (siehe Wikipedia)


Mehr über Lonari erfahren:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.